Statement der Regie

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Wer versuchen möchte, Wien zu beschreiben, kommt kaum darum herum den Begriff „Kaffeehaus“ in den Mund zu nehmen. Aus der Unmenge der für die österreichische Bundeshauptstadt typischen Eigenheiten ist die langjährige Tradition des Kaffeekonsums kaum wegzudenken. Bei der Ernennung zum Weltkulturerbe im Jahr 2011 bezeichnete die UNESCO-Kommission das Kaffeehaus als einen Ort, „in dem Zeit und Raum konsumiert werden, aber nur der Kaffee auf der Rechnung steht“.

Diesem Phänomen wollten wir mit einem Kurzfilmprojekt Tribut zollen; allerdings nicht in Form eines aufpolierten Werbefilmes, der schwülstige Bilder einer heilen Welt mit Schlagobers und Klaviermusik serviert. Auch wenn Wien völlig berechtigt als lebenswerteste Stadt der Welt gefeiert wird, ist das hiesige Lebensgefühl immer von einem morbiden Beigeschmack geprägt. An allen Dingen kratzt der Zahn der Zeit, und lässt uns spüren, dass auch unsere Zeit hier eine begrenzte ist. Gerade wenn Wien durch ominöse Bauprojekte Gefahr läuft, seinen Status als Weltkulturerbe einzubüßen, und damit weltweit in den Schlagzeilen landet, darf ein „Kaffeehausfilm“ keine zuckersüße Angelegenheit sein.

Es erfüllt mich mit großer Freude, dass wir unseren Film an dem Ort drehen konnten, für den das Drehbuch letztendlich verfasst wurde: das im dritten Wiener Gemeindebezirk gelegene Café am Heumarkt ist eine Inkarnationen sämtlicher Empfindungen, die ich mit einem Kaffeehaus verbinde. Auch Projektbesprechungen, Drehbuchsitzungen und Proben fanden zu einem Großteil hier statt. Mein unermesslicher Dank gilt den Betreibern des Lokals, die dieses Projekt möglich gemacht haben.

Das Ergebnis unseres Unterfangens hört auf den Namen „Karneval der Kellner“ – eine zehnminütige Kriminalkomödie, die das Kaffeehaus als geheimnisvollen Ort feiert, an dem existenzielle auf idealistische Probleme treffen, der freie Wille auf die Wirrungen des Schicksals, Gesetzeshüter auf Gesetzesbrecher, Kulturverdruss auf Koffeingenuss; und alle diese Zusammenkünfte von einer Aura der Vergänglichkeit durchzogen sind.

Alexander Peskador

Alexander Peskador, 1993 in Wien geboren, hat sich nach dem Abschluss des Bachelorstudiums der Theater-, Film- und Medienwissenschaft an der Universität Wien verstärkt der praktischen Seite des Kinos verschrieben: Neben Tätigkeiten als Autor, Cutter und Regisseur im Werbebereich schlägt sein Herz für narrative Kurzfilmprojekte. Er ist leidenschaftlicher Kinogeher und Kaffeehausbesucher.